Sinken die Kaufpreise für Immobilien in der Corona-Krise?

Sinken die Kaufpreise für Immobilien in der Corona-Krise?

Zu Beginn der Corona-Krise gab es viele Spekulationen und Vorhersagen bezüglich der Kaufpreisentwicklung und Wertentwicklung von Immobilien. Ein Rückgang der Nachfrage und damit Stagnation oder gar ein Sinken der Immobilienpreise wurde erwartet.
Sinken die Kaufpreise für Immobilien in der Corona-Krise?

Tatsächlich haben sich im Frühjahr 2020 für einige Wochen wenige Interessenten für ein „Abwarten“ entschieden und die Kaufentscheidung vertagt. Nach Beendigung des Lockdowns haben die meisten Interessenten Ihren Kauf jedoch abgeschlossen und die Nachfrage bei Kapitalanlegern und Eigennutzern ist seither ungebrochen. Der Bedarf an Wohnraum und Eigentumserwerb ist nach wie vor höher als das Angebot. Dementsprechend sind die Preise für Immobilien auch in diesem Jahr wieder gestiegen, nach Aussage des Bundesamtes für Statistik im 2. Quartal um 6,4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. In 2019 war der Anstieg im selben Zeitraum vergleichbar. 

Die Nachfrage nach Wohnqualität ist mit den Folgen der Corona-Politik gestiegen. Die Menschen verbringen mehr Zeit in den eigenen 4 Wänden, reisen weniger, gehen weniger aus, arbeiten und lernen zeitweise ausschließlich oder gelegentlich von zu Hause. Die Ansprüche an den Wohnraum sind damit gestiegen, bzw. verändert. Ruhige Arbeitsplätze und Rückzugsorte für Bewohner und Familienmitglieder sind mehr denn je gefragt. Auch für Kochen und gemeinsame Aktivitäten in und außerhalb der Wohnung hat einen neuen Fokus bei der Immobiliensuche. So werden Wohnungen mit Balkon oder Garten deutlich bevorzugt. Einige Bauträger haben sich bereits bei der Planung der Grundrisse auf die Berücksichtigung eines abgeschlossenen Arbeitsplatzes innerhalb der Wohnung eingestellt. Stadtrandgebiete und Speckgürtellagen werden mehr nachgefragt, wenn tägliches Pendeln zum Arbeitsplatz in der Stadt nicht nötig ist. Besonders interessant sind Standorte, die mit der S-Bahn an eine Großstadt angebunden sind, oder Städte, die „autark“ sind. 

Die Preise sind im Umland zudem noch günstiger als in den Städten. Je weiter entfernt von der Stadt, desto günstiger die Preise. Auch Kapitalanleger setzen weiterhin auf „Betongold“ als Investitionsmöglichkeit. Aktienmärkte erscheinen vielen bei der unsicheren Wirtschaftslage zu volatil. Die Auswirkungen der Corona-Politik auf die Wirtschaft und die Aktienkurse sind noch wenig absehbar. Die Darlehenszinsen sind historisch niedrig. Bei einer Zinsbindung von 10 Jahren liegt der Darlehenszins um 1 % (je nach Bonität und Beleihung). Die Mieteinnahmen decken somit die Kosten (Zinsen) und tragen noch zur Vermögensbildung (Tilgung) bei. Als weiterer Zuwachs kommt eine Wertentwicklung hinzu. Die Flutung der Märkte mit Geld könnte eine höhere Inflation nach sich ziehen. Immobilien als Sachwert gewinnen mit steigender Inflation an Wert. Eine Inflation arbeitet für Immobilieninvestoren, gleich ob Eigennutzer oder Kapitalanleger. Für viele ein Grund, nun eine Immobilie zu erwerben.